Für Alexander Blessin ist Gladbach die fünfte Trainerstation bei den Profis. Wie und unter welchen Bedingungen hat er bei seinen bisherigen Klubs gearbeitet? Wie sah der Fußball aus? Und woran ist Blessin gescheitert? Über die Arbeit und die Regeln eines Fußballlehrers, der sich eigentlich mit einem Bürojob arrangiert hatte.
Borussia Mönchengladbach hat einen neuen Trainer: Alexander Blessin. Unsere Reporter Karsten Kellermann und Thomas Grulke sprechen 50 Minuten über den 53-Jährigen und das, was ihn in Gladbach erwartet. Unter anderem gehört das Thema Florian Neuhaus dazu.
Borussia Mönchengladbach hat am Dienstag bestätigt, was in den vergangenen Tagen durchgesickert war: Alexander Blessin ist neuer Cheftrainer und damit der Nachfolger von Eugen Polanski. Er erhält einen Vertrag bis 2028 und wird am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.
Die „Ultras Gelsenkirchen“ haben die Freundschaft zur Gladbacher Gruppe „Sottocultura“ offiziell verkündet. Die Beziehungen reichen bis in die 2000er zurück. Wie die Kontakte intensiviert wurden, haben die Schalker Ultras nun mitgeteilt.
Mit 16 Feldspielern ist Borussia Mönchengladbach am Montag in die neue Woche gestartet. Geleitet wurde die Einheit von Interimstrainer Jan-Moritz Lichte. Derweil sorgte ein geparktes Auto für das Gerücht, dass sich Alexander Blessin bereits am Borussia-Park aufhalte.
„Ins offene Messer zu laufen und vier Tore zu fressen, in der Hoffnung, dass man selbst dann drei Tore macht, ist für mich kein richtiger Ansatz.“ Diese Worte, mit denen Alexander Blessin im vergangenen Sommer nach dem Abstieg beim FC St. Pauli zitiert wurde, haben womöglich bereits sein nächstes Engagement vorweggenommen. Mit Rouven Schröder konnte er eine mündliche Einigung erzielen und wird aller Voraussicht nach in den kommenden Tagen als Trainer von Borussia Mönchengladbach vorgestellt. Der neue Chef der Fohlenelf wird genau das umsetzen müssen, was ihn auf früheren Stationen ausgezeichnet hat: Die Stabilisierung einer zuletzt desolaten Defensive. Das nächste Kind der RB-Schule Blessin ist nach Marco Rose und Adi Hütter der nächste Borussen-Trainer, der die RB-Schule durchlaufen hat, wo er acht Jahre lang im Jugendbereich erfolgreich tätig war. Beeinflusst wurde er in seiner langen Karriere insbesondere von Ralf Rangnick, Ralph Hasenhüttl und Julian Nagelsmann. Aber auch Hansi Flick und Dragoslav Stepanovic, die ihn zu seiner aktiven Zeit trainierten, haben Einfluss auf die Art Fußball genommen, die der 53jährige präferiert. Blessin legt einen Fokus auf Defensive, möchte darüber hinaus aber durchaus auch ansehnlichen Offensivfußball sehen. Dies soll durch ein hohes, ballorientiertes (Gegen-)Pressing erreicht werden, bei dem insbesondere die Außenverteidiger und 6er hoch verteidigen, um den Gegner frühzeitig unter Druck zu setzen und ihn zu Fehlern zu zwingen. Gelingt dies wird ein schnelles Umschaltspiel angestrebt, indem der Ball so schnell wie möglich ins gegnerische Angriffsdrittel befördert wird. Dort soll möglichst schnell der Abschluss gesucht werden, bevor sich der Gegner defensiv organisiert hat. Risiko: Die schnellen Vorwärtspässe sowie die konsequente Vorwärtsverteidigung führen gelegentlich zu Fehlern, die den Gegner in aussichtsreiche Situationen bringen. Zudem erfordert diese aggressive Spielweise eine extreme Lauf- und Sprintbereitschaft sowie hohe Intensität. Anders als einst Lucien Favre legt Blessin zusätzlich Wert auf Standardsituationen. Kritisiert wird an ihm gelegentlich, mit Auswechselungen zu spät auf veränderte Situationen während eines Spiels zu reagieren. Taktische Flexibilität mit klarer Präferenz Taktisch ist Blessin ein Freund der Dreier- bzw. Fünferkette, der sich Borussia eigentlich in dieser Saison entledigen wollte. Zwar ist er grundsätzlich bereit, sich an die Gegebenheiten des Kaders anzupassen – so ließ er in seiner Zeit in Genua überwiegend eine Viererkette spielen. Mit Blick auf die bisherigen Saisonleistungen ist aber zu erwarten, dass er in Mönchengladbach auf die defensivere Ausrichtung setzen wird. Dies kann dann entweder im 3-5-2 oder im 3-4-3-System umgesetzt werden. Alexander Blessin wurde im Mai 1973 in Bad Canstatt geboren, weshalb er seine Interviews in einem starken schwäbischen Dialekt vorträgt. Während seiner aktiven Zeit als Stürmer blieb er – mit Ausnahme eines kurzen Abstechers in die Türkei – überwiegend im Süden Deutschlands hängen, vornehmlich in der Regionalliga Süd. Beim VfB Stuttgart konnte er immerhin sieben Kurzeinsätze in der Bundesliga verzeichnen. Karrierehöhepunkt war 1998 die Einwechselung im UEFA-Cup bei Feyenoord Rotterdam, wo er in nur zwei Spielminuten einen Scorerpunkte sammelte. Er legte Fredi Bobic den Treffer zum 3:0-Endstand auf. In Liga zwei durfte er zweimal mit den Stuttgarter Kickers gegen Borussia antreten und jeweils ein 1:1 erreichen. Von der Versicherung in den RB-Kosmos Nach seiner aktiven Laufzeit war Blessin für dreieinhalb Jahre als Versicherungskaufmann tätig, ehe er einen Anruf von Ralf Rangnick erhielt und in die Jugendarbeit von RB Leipzig wechselte. Als sich der Verein 2019 von Ralph Hasenhüttl trennte, machte sich der bis dahin in die U19 aufgestiegene Jugendtrainer kurzzeitig Hoffnungen, in die Chefrolle befördert zu werden. Der „Verein“ entschied sich allerdings für Julian Nagelsmann, was Blessin ein Jahr darauf zum Abschied veranlasste. Im Alter von 47 Jahren begann somit erst 2020 sein Wirken als Profitrainer beim chronisch klammen KV Oostende in der belgischen Jupiler League. Dieser war in der Vorsaison als Vorletzter nur knapp dem Abstieg entgangen und startete unter Blessin mit zwei Punkten aus den ersten vier Partien. Anschließend ging seine Taktik aber auf und er katapultierte den Verein überraschend in die Spitzengruppe. Nur knapp wurde die Meisterrunde verpasst, die in Belgien von den ersten vier der regulären Spielzeit gebildet wird. Mit 49:41 Toren in 34 Spielen zeichnete er sich für die beste Defensive der Liga verantwortlich und wurde zum Trainer des Jahres in Belgien gewählt. In der darauffolgenden Saison konnte er diese starke Leistung nicht bestätigen. Die Mannschaft rutschte bis zur Winterpause auf Platz 15 ab und stellte mit 43 Gegentoren aus den ersten 21 Partien die zweitschwächste Defensive der Liga - bei nur 23 eigenen Treffern. Durchwachsene Zeit in Genua Der anschließende Wechsel zum CFC Genua erfolgte aber freiwillig, indem Blessin von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch machte. Der italienische Traditionsverein befand sich zu diesem Zeitpunkt in akuter Abstiegsgefahr in der Serie A. Als Letzter hatte er nach 22 Spielen bereits sechs Punkte Rückstand auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz. Sein Vorgänger war nach einem 0:6 beim AC Florenz entlassen worden und hatte insgesamt 45 Gegentore zugelassen. Umso erstaunlicher der Start unter Blessin, der in seinen ersten acht Partien ungeschlagen blieb und nur zwei Gegentore schluckte. Einziger Haken: Sieben der acht Partien endeten Remis, was den Verein in der Tabelle nicht nennenswert nach vorne brachte. Im weiteren Lauf der Rückrunde wurde u. a. Juventus mit 2:1 geschlagen. Insgesamt kassierte die Mannschaft in den 16 Partien unter Blessin nur noch 15 Gegentore. Sie schoss aber auch nur 7 eigene Tore und holte damit 14 Punkte. Zu wenig, um den Abstieg in die Serie B zu vermeiden. Die Saison 2022/23 der zweiten italienischen Liga startete sehr ausgeglichen und Genua etablierte sich schnell in der Spitzengruppe. Eine kurze Negativserie zum Ende des Jahres, die u. a. auf Verletzungspech zurückzuführen war, ließ sie auf Platz 5 abstürzen. Insgesamt befand sich der Verein aber mit 22 Punkten nach 15 Partien und 16:13 Toren in einer ordentlichen Position. Erneut war es vornehmlich die zweitbeste Defensive der Liga, die das Prunkstück der Mannschaft bildete. Dennoch trennte sich der Verein im Winter von seinem Coach, ehe ihm unter Nachfolger Alberto Gilardino der souveräne Wiederaufstieg in die Serie A gelang. In Belgien zurück in die Erfolgsspur Für Blessin ging es dagegen wieder zurück in die belgische Liga, wo er sich in Oostende einen exzellenten Ruf verdient hatte. Die Datenscouts von Royale Union St. Gilloise waren auf ihn aufmerksam geworden, nachdem Erfolgstrainer Karel Geraerts sein Glück (vergeblich) beim FC Schalke 04 suchen wollte. Der Klub war unter Geraerts 2022 als Aufsteiger Vizemeister geworden und erreichte im darauffolgenden Jahr sogar das Viertelfinale der Europa-League. Der strikt auf die Macht der Daten setzende Verein glaubte in Blessin den geeigneten Trainertyp gefunden zu haben, um das Erfolgssystem fortzusetzen. Eine korrekte Einschätzung, denn die Mannschaft erreichte erneut die Vizemeisterschaft und gewann erstmals seit 1914 den belgischen Pokal. In den 30 Spielen der regulären Saison holte er mit einem Torverhältnis von 63:31 überragende 70 Punkte und führte die Tabelle mit sieben Punkten Vorsprung auf Platz zwei an. Club Brügge lag sogar bereits 19 Punkte zurück. Obwohl die Punkte in Belgien für die Meisterrunde halbiert werden, schien der Weg zur Meisterschaft für St. Gilloise geebnet. Der Vorsprung wurde aber durch einen Fehlstart mit vier knappen Niederlagen in Folge schnell verspielt. Am Ende gelang es Club Brugge, in nur zehn Partien zehn Punkte aufzuholen und sich knapp die Meisterschaft zu sichern. Insgesamt konnte sich Blessins Bilanz in der Brüsseler Gemeinde St. Gilles aber sehen lassen mit umgerechnet 120 Punkten aus 58 Pflichtspielen und 103:61 Toren. Damit wurde er erneut Trainer des Jahres in Belgien und empfahl sich für ein Amt in der Bundesliga. Der Sprung in die Bundesliga Der Neu-Bundesligist FC St. Pauli suchte im Sommer 2024 einen Nachfolger für Aufstiegstrainer Fabian Hürzeler. Dieser verfolgte einen ähnlichen Spielstil wie Blessin. Es war insbesondere die stärkste Defensive der 2. Liga, die den Aufstieg sicherstellte. Der neue Trainer knüpfte daran an und sicherte den vom Kaderwert her deutlich unterlegenen Hamburgern überraschend den Klassenerhalt. 41 Gegentore bedeuteten den besten Defensivwert hinter den Bayern. In der Offensive dagegen waren 28 Tore der mit Abstand schwächste Wert aller Bundesligisten – gefolgt vom Absteiger aus Bochum mit 33 Treffern. Nachdem im Sommer 2025 mit Neu-Nationalspieler Treu (Freiburg), Saad (Augsburg) und Guilavogui (Lens) wichtige Spieler den Verein verließen, waren die Chancen auf den Klassenerhalt noch weiter reduziert worden. Einem guten Start mit sieben Punkten aus den ersten drei Spielen folgte bald darauf der Einbruch mit 9 Niederlagen in Folge – u. a. ein 0:4 gegen Borussia. Im Pokal konnte St. Pauli kurz darauf die Gladbacher zwar überraschen. Insgesamt war die Mannschaft aber zu schwach für einen neuerlichen Klassenerhalt. Mit nur 26 Punkten und 29:60 Toren musste der Verein als Letzter zurück in die zweite Bundesliga und entschied sich dort für einen neuen Übungsleiter. Abstiegs- und defensiverfahren Insgesamt blickt Blessin auf zwei Abstiege in den letzten vier Jahren zurück, wobei er in beiden Fällen mit einem der schwächsten Kader der jeweiligen Liga konfrontiert war. Dem gegenüber stehen seine Erfolge in Belgien sowie eine starke Debütsaison beim FC St. Pauli. Ausschlaggebend für seine Wahl dürfte die Fähigkeit sein, auf all seinen Stationen die Defensive gut und schnell in den Griff bekommen zu haben – etwas, was aktuell bei Borussia mehr als alles andere erforderlich wäre. Im jeweils zweiten Spieljahr unter seiner Ägide gab es oft einen deutlichen Leistungseinbruch und auch die Defensive stand dann zumeist nicht mehr ganz so solide. Im Vergleich zu den ansonsten in den Medien herumgeisternden Namen scheint Blessin eine interessante Wahl zu sein, die Hoffnungen ebenso in sich birgt wie Risiken. Das ganz hohe Regal, in dem sich Schröder sehr gerne bedient hätte, verkörpert der 53jährige nicht. Er ist aber ein taktisch sehr kompetenter und erfahrener Coach, der sich in der Vergangenheit nicht gescheut hat, resolute Entscheidungen zu treffen. Ihm ist alles Glück zu wünschen, dass ihm dies auch in Mönchengladbach erfolgreich gelingen wird und er zunächst einmal den aktuellen Abwärtstrend aufhalten kann. In dieser Spielzeit geht es für den Verein einzig und allein um den Klassenerhalt, für den zuvorderst eine stabile Defensive notwendig sein wird. Es dürfte wenige Kandidaten auf dem Markt geben, die diese Ausrichtung so glaubhaft verkörpern können wie Alexander Blessin.
Alle Hoffnungen liegen auf Mr. „X“: Nach dem 3:4 gegen Mainz taumelt Borussia weiter dem dritten Bundesliga-Abstieg entgegen. Selbst ein kurzfristiger Effekt nach der Entlassung von Eugen Polanski blieb aus, das erhoffte Licht(e) am Ende des Tunnels ist weiter nur schwer zu sehen, womit mir wenigstens eins der zahlreichen Wortspiele erlaubt sei. Wenn Ihr, geschätzte Leser, diesen Text lest, ist der neue Trainer am Borussia-Park vielleicht schon vorgestellt, dann müsst Ihr nicht zwingend weiterlesen. Vor dem Anpfiff blieb Sportchef Rouven Schröder zwar standhaft, verriet dennoch mehr als gedacht. Christian Titz oder Horst Steffen werden es schonmal nicht. Inzwischen habe man „einen Favoriten“, der Neue müsse „natürlich Erfahrung mitbringen“ und „eine solche Drucksituation bereits erlebt haben“. Nun, laut Profil kann das von Peter Neururer bis Christian Streich alles bedeuten. Bleiben wir also gespannt (nur fürs Protokoll: Wenn es Neururer wird, habt Ihr es hier zuerst gelesen!). Unter diesem Stern ist das Spiel gegen Mainz 05 auch zu werten. Es wäre so oder so ein Bonus-Spiel gewesen. Der Saisonstart ist verkorkst, niemand hatte ernsthaft mit einem rauschenden Heimsieg gegen stabile Mainzer gerechnet, ein Punkt wäre schon als Erfolg gewertet worden. Jetzt kommt ein neuer Trainer, es sind drei Wochen Länderspielpause, dann ist das Derby in Köln. Die Uhren werden ab heute auf null gestellt. Es ist die letzte Chance, das macht es greifbarer und einfacher. Ein Blick aufs Spiel sei trotzdem erlaubt. 16 (in Worten: sechzehn) Gegentore nach vier Bundesligaspielen. Das, was Borussia am Samstagnachmittag gegen solide, aber keineswegs überragende Mainzer in der Abwehr darbot, war auch ohne Weißbier ein noch tieferer Tiefpunkt in einem Stadion, das ohnehin seit Jahren chronisch zu viele Jubel aus der Gästekurve hören musste. Jedes der vier Gegentore kann, nein, muss selbst in einer unterdurchschnittlichen Bundesligamannschaft verteidigt werden. Der Auftrag an den Neuen ist so klar wie schwer: Die Abwehr muss dringend gestärkt werden, egal wie. Und im Winter bestenfalls auf dem Transfermarkt nachgelegt werden. Itakura ist in der aktuellen Form gegenüber Elvedi eine Verschlechterung, über die Probleme auf den Außenverteidigerpositionen und im defensiven Mittelfeld sprechen wir bei SEITENWAHL seit Jahren. Eine weitere Szene macht ebenso Sorgen: Vor dem zweiten Elfmeter gab es ein ziemlich auffälliges Wortgefecht zwischen Kapitän Kevin Diks, der den ersten Elfmeter verschossen hatte, und Shuto Machino, der Diks den Ball abnahm und darauf bestand, den Elfmeter zu schießen (und ihn verwandelte). Teile der Mannschaft sind ganz offenbar zerstritten, die Nerven liegen blank, nicht nur auf oder wegen TikTok. Es mag abstrus klingen, aber die Situation hat auch etwas Positives: Weiter nach unten geht es nicht mehr. Tabellenletzter, ein drittklassiges Abwehrverhalten, Streit in der Mannschaft, viele Verletzte. Mir fehlt aktuell die Fantasie, wie ein neuer Trainer das bisher Gezeigte noch unterbieten kann. Und, so viel Sarkasmus sei erlaubt: das rettende Ufer ist ja nur drei Punkte entfernt. Apropos Positives, davon gab es durchaus auch einiges. Die Phase kurz vor und nach dem 2:2-Ausgleich durch Lidberg war ermutigend. Die Mannschaft kämpfte, warf sich in die Zweikämpfe, übte Druck aus, das Stadion war da. Hugo Bolin ist weiter ein Aktivposten, Isac Lidberg kann fußballerisch noch nicht in der Bundesliga mithalten, kämpft aber um jeden Ball. Bis die Abwehr leider wieder in den Slapstick-Modus wechselte und Mainz die Tore drei und vier schenkte. Auch Moritz Nicolas ist aktuell kein Faktor, der Bälle und damit Punkte festhält. Eigentlich käme an dieser Stelle ein weiteres Ausholen über die tiefsitzenden, strukturellen Probleme im Verein (die sind da) oder über die Verfehlungen im Transfersommer (die sind passiert). Und doch ist das alles obsolet in dem Moment, wenn der neue Trainer da ist. Wenn Deutschland drei Wochen lang „Schwarz-Rot-Klopp“ (RTL hat mal wieder den Vogel abgeschossen) feiert, wird viel Zeit für Aufbereitung, für Feinjustierung, für individuelle Gespräche und das Einstudieren von neuen Abläufen sein. Und ja, irgendwie gefällt mir der Gedanke, dass direkt danach das Derby in Köln steigt. Gäbe es ein besseres Spiel, um die Wende einzuleiten? Genau, sehe ich auch so.
Das letzte Gastspiel des FSV Mainz hat in Mönchengladbach kaum jemand schon vergessen. Nach passabler erster Hälfte mit 1:0-Führung machte sich die Mannschaft in den zweiten 45 Minuten komplett ins Hemd, stellte das Fußballspielen ein und wartete wie das Kaninchen vor der Schlange auf den Mainzer Ausgleich, der dann grausamerweise erst in der Nachspielzeit durch einen höchst dämlich verursachten Elfmeter fiel. Es war der Zeitpunkt, als eigentlich auch dem Vorletzten klar wurde, dass es für Eugen Polanski keine Zukunft auf der Gladbacher Trainerbank geben würde. Natürlich musste man dem Seoane-Nachfolger dankbar sein, Verantwortung übernommen zu haben und die Grundlagen dafür gelegt zu haben, dass man mit Ach und Krach den Klassenerhalt schaffte, aber das fast durchgehend jämmerliche Auftreten der Mannschaft in der Rückrunde ohne jegliches Anzeichen einer Weiterentwicklung deutete klar an, dass Polanski mit seinem Latein am Ende war. Ja, die Vorletzten wussten dies, die Letzten, also die Vereinsführung der Borussia, aber leider nicht. Denn obwohl Rouven Schröder das gesamte Frühjahr ein Bekenntnis zu Polanski dermaßen eindeutig verweigert hatte, dass eine Trennung für Kenner der brancheninternen Kommunikationsregeln eigentlich schon klar zu sein schien, entschied man sich überraschenderweise dafür, doch mit dem ehemaligen U23-Coach weiterzumachen. Da es ein „Weiter so“ natürlich auf keinen Fall geben durfte, stellte man dafür das Trainerteam rund um Polanski komplett neu auf, um diesem zu „helfen“, im Prinzip aber damit auch Polanskis Kompetenzen zu beschneiden, wozu auch gut passte, dass Schröder öffentlich eine neue Spielausrichtung (Viererkette, offensiver) ausrief – eigentlich ja klar Aufgabe des Trainers. Und so watschelte Eugen Polanski dann auch wie die lahmste Ente aller Zeiten in die neue Saison. Die Hoffnung, die Zweifel mit einem erfolgreichen Start beseitigen zu können, war spätestens nach der peinlichen Niederlage gegen Aufsteiger Elversberg gestorben, und nach dem Debakel in Freiburg musste der Verein dann mit der Trennung von Polanski sein eigenes Versagen nach der Saisonanalyse im Mai eingestehen. Jetzt steht die Borussia fast genau wieder da, wo man auch vor einem Jahr stand: unten in der Tabelle, auf der Suche nach einem neuen Trainer, der keine Vorbereitung mit dem Team hatte und erst mal nur einen Job hat: einen Abstieg zu vermeiden! An den diversen Spekulationen über den Polanski-Nachfolger wollen wir uns hier nicht beteiligen, das werden wir kommentieren, wenn es Fakt ist. Wir können unseren Lesern nur gute Nerven wünschen, die man in diesen Tagen des hanebüchenen Online-„Journalismus“ brauchen kann. [Kurzes Beispiel: Das Portal Fussballeuropa.com titelt unter der Woche etwas von „Spur zu Dimitrios Grammozis“, berichtet dann vom allgemein bekannten Fakt, dass Grammozis mal bei Schalke unter Schröder Trainer war. Das ist aber auch schon alles. Weiter unten im Bericht räumt man selbst ein, dass diese heiße Spur „nicht ganz konkret verfolgt wird“, also dass es außer der gemeinsamen Historie der beiden eigentlich keinerlei Evidenz gibt, dass man sich in Gladbach mit Grammozis beschäftigt. Einen Tag später berichten jede Menge andere Portale über das Grammozis-Gerücht, beziehen sich aber alle auf den gleichen Artikel, der seinerseits komplett haltlos war. Formidabler Click-and-Rage-Bait für frustrierte Gladbach-Fans! Und natürlich würde es mich nach diesem kleinen Rant jetzt auch nicht mehr wundern, wenn Borussia am Wochenende Dimitrios Grammozis als neuen Trainer vorstellt, nur um mich hier zum Idioten zu machen... seufz.] Am Samstag gegen Mainz wird erstmals Jan-Moritz Lichte (selbst mal für einige Monate Mainz-Trainer in der Saison 2020/21) als Interimstrainer auf der Borussen-Bank sitzen. Bemerkenswerterweise wurden bislang bereits 4 Interimstrainer bei der Borussia (Krauss, Köppel, Schubert, Polanski) später dann auch Chefcoach in Gladbach (Köppel allerdings erst im zweiten Anlauf). Die Wahrscheinlichkeit für eine Wiederholung dieses Musters ist allerdings angesichts der Tatsache, dass Lichte von vornherein nur für dieses eine Spiel vorgesehen ist, eher gering. Selbst wenn man Mainz überzeugend besiegen könnte, hat Lichte durch die anschließende Länderspielpause keine Gelegenheit, weitere Werbung für sich zu betreiben, und es müsste schon sehr viel schief laufen bei der Trainersuche, wenn er beim Derby in Köln immer noch die Verantwortung hätte. Lichte ist damit der sechste Interimscoach der Borussia, aber der erste seit Christian Ziege 2008, der von Anfang an nur für ein einziges Spiel vorgesehen ist. Anschauungsunterricht, wie man eine Saison mit einem Trainerwechsel herumreißt, kann sich Borussia beim Gegner aus Mainz abholen, dem dieses Kunststück in diesem Jahrzehnt schon dreimal beeindruckend gelang. In der Saison 2020/21 hatte Mainz nach 14 Spieltagen auf Platz 17 lediglich 6 Punkte, wurde am Schluss unter Bo Svensson noch locker Zwölfter mit 39 Punkten. 2023/24 war man auch nach 21 Spieltagen noch auf Platz 17 mit nur 12 Punkten (mit 9 Punkten Rückstand auf Platz 15), aber Bo Henriksen holte noch 23 Punkte in 13 Spielen und landete auf Platz 13. Und in der Vorsaison war der Karnevalsverein gar Tabellenletzter nach 13 Spieltagen (6 Punkte), wurde aber von Urs Fischer noch auf den zehnten Rang mit 40 Punkten geführt. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass der Aufschwung der Mainzer nie wirklich nachhaltig war. Svensson konnte immerhin noch zweimal mit dem FSV im gesicherten Ligamittelfeld landen, bevor es bergab ging, unter Henriksen gab es dann nur noch ein (allerdings sehr gutes) Jahr und dann hatte auch die Magie seiner Haarpracht ein Ende. Es bleibt abzuwarten, wie lange der Urs-Fischer-Effekt nun anhält. Bei Union Berlin hat der Schweizer ja durchaus über längere Zeit erfolgreich gearbeitet. Der Saisonstart der Mainzer war gemischt: Nach einem etwas enttäuschenden 0:0 gegen Paderborn konnte man den HSV auswärts mit 5:0 aus dem eigenen Stadion schießen, worauf beim 1:3 gegen Frankfurt danach aber gleich wieder Ernüchterung eintrat. Ein großes Plus der Mainzer ist, dass sie eine eingespielte Kern-Elf besitzen, die im Vergleich zur Vorsaison kaum verändert wurde. Allerdings muss das Fischer-Team für längere Zeit auf den Rotkarten-König Dominik Kohr verzichten, der sich am ersten Spieltag gegen Paderborn eine Syndesmoseverletzung zuzog. Auf Gladbacher Seite fehlt neben den zahlreichen Verletzten auch noch Tim Kleindienst, der nach seiner Gelb-Roten Karte in Freiburg am Samstag aussetzen muss. Für ihn wird vermutlich Isac Lidberg ins Sturmzentrum rücken. Was Lichte aber sonst an Änderungen vornehmen wird, ist unklar. Sein Grundton auf der Pressekonferenz lässt allerdings vermuten, dass es keine radikalen Personalwechsel geben wird. Weshalb auch? Die momentanen Probleme der Borussia liegen ja nicht hauptsächlich darin begründet, dass die heilsbringenden Spieler XYZ (hat da wer Florian Neuhaus gefordert?) bislang nicht berücksichtigt worden wären, sondern eher in einer allgemeinen Unsicherheit und Orientierungslosigkeit, die auch eigentlich stabile Spieler wie Kevin Diks, Ko Itakura und zuletzt sogar Moritz Nicolas ergriffen hat. Die Heilmittel sind zum Teil taktischer Natur (wie kann man der Mannschaft mehr Sicherheit und Struktur verschaffen?), aber vor allem auch psychologischer Natur. Lichte ist um diese Aufgabe sicher nicht zu beneiden. Wer gesehen hat, was die Herren Amiri, Tietz und Becker vor zwei Wochen mit dem HSV angestellt haben, dem mag Angst und Bange werden, wie wohl die verunsicherte Gladbacher Abwehr mit dem Sturm der Mainzer klarkommt (nach 3, 4, 5 Gegentoren gibt es jetzt... nein, lieber gar nicht dran denken!). Auf der anderen Seite ist der FSV Mainz jetzt aber auch nicht der Übergegner, und mit dem Reizpunkt Trainerentlassung kann man gerade vor eigenem Publikum schon hoffen, dass der VfL am Samstag ein anderes Gesicht zeigt als bislang in dieser Saison. Bei aller Weltuntergangsstimmung sollte man auch nicht vergessen, dass bislang nur drei Spiele absolviert wurden und Borussia mit einem Sieg die Abstiegsränge schon wieder verlassen könnte und damit zum Beispiel auch nur einen Punkt hinter den Mainzern stünde. Zumindest können sich Gladbach-Fans diesmal sicher sein, dass es nach einer erneuten Pleite zu einem Trainerwechsel kommen wird (bei einem Sieg aber wohl auch). Seitenwahl-Prognose: Claus-Dieter Mayer: Borussia reisst sich zusammen, kratzt, beisst und gewinnt tatsaechlich mit 2:0. Glaube ich daran? Hmm, nicht wirklich, aber ich will es so sehr! Michael Heinen: Der Trainerwechsel löst leider die personellen und strukturellen Probleme im Verein nicht. Von daher verliert Borussia auch das vierte Ligaspiel dieser Saison mit 1:2. Mike Lukanz: Gegen Mainz werden wir ein mieses 1:1 bewundern. Der erste Punktgewinn, danach ein neuer Trainer: das Derby kann kommen. Kevin Schulte: Fragt mich nicht, warum und wie: Borussia Mönchengladbach besiegt Mainz 05 mit 2:1 Christian Spoo: Auch bei Lichte betrachtet hat sich noch nichts verbessert. Mainz gewinnt im Borussia-Park mit 3:1. Christian Grünewald: Die Abwehr bleibt Lichte, die Offensive dünn - Borussia kann auch interim verlieren. 0:2 Michael Oehm: 0:0, es war aber mehr drin. Und Trainer wird Horst Steffen.
Borussia Mönchengladbach war im Sommer mit viel positiver Energie in die neue Saison gestartet. Die positiven Testspielergebnisse schienen ein zartes Pflänzchen wachsen zu lassen. Nach drei Niederlagen in den ersten drei Ligaspielen und Woche für Woche weichender Form ist Borussia im Spätsommer 2026 erneut im Sinkflug. Was von außen lapidar als Fehlstart in eine weitere Saison eingeordnet werden könnte, ist im Kern eine fundamentale Führungskrise eines Vereins, der sich innerbetrieblich auf die familiären Schultern zu klopfen scheint, dabei aber taumelnd Richtung Zweitklassigkeit mäandert. Und das mit Ansage. Herzlich Willkommen, beim Murmeltierverein aus Mönchengladbach. Obenstehenden Einstiegstext hat Seitenwahl nahezu gleichlautend im Oktober 2024 veröffentlicht. Im Grunde könnten wir uns die Nachberichterstattung zum desolaten 0:5 in Freiburg sparen und einzig auf die damalige Analyse mit dem Titel „Der Borussia-Weg – familiär Richtung 2. Liga“ verweisen, die es sich in jedem Fall lohnt, noch einmal in Gänze durchzulesen. Die handelnden Personen haben sich zum Teil verändert – Rouven Schröder kam für Roland Virkus und Eugen Polanski für Gerardo Seoane. Das provinziell-unprofessionelle Auftreten des Vereins ist dagegen geblieben. Die gute Nachricht: Der damals prognostizierte Abstieg auf Raten ist in der entsprechenden Saison ebenso wenig eingetreten wie im Jahr darauf, als nach derben Pleiten gegen Werder Bremen (0:4) und Eintracht Frankfurt (4:6 nach 0:6-Rückstand) bereits der Abstieg eingeplant wurde. Nur: Dieses Vabanquespiel um die Existenz des Vereins wird nicht auf ewig gutgehen. Im Grunde ist der Verein seit der Verkündung des Abschieds von Marco Rose im Februar 2021 auf einem kontinuierlichen Abstiegspfad, der früher oder später zwangsläufig in die 2. Bundesliga führen muss. Die Schwäche einiger anderer Klubs mag dies noch ein wenig hinauszögern. Irgendwann wird aber selbst dies nicht mehr ausreichen. Der leblose Auftritt in Freiburg war der aktuelle Tiefpunkt eines bereits von Tiefpunkten vollen Saisonstarts. Konnte die Mannschaft in Leipzig und gegen Elversberg wenigstens phasenweise noch überzeugen, so war der Keim des Aufbäumens im Breisgau bereits nach 10 Minuten vollständig verpufft. Wer geglaubt hatte, die Mannschaft wolle sich für das peinliche 3:4 gegen Elversberg rehabilitieren, der wurde bereits nach einer knappen Viertelstunde desillusioniert. Da hatte der SC Freiburg bereits das Zepter in die Hand genommen und es war nur eine Frage der Zeit bis zu den Gegentoren. Noch keine halbe Stunde war gespielt, da war die Partie mit dem 0:2 von Matanovic entschieden. Faktisch war sie das bereits sechs Minuten zuvor, als ausgerechnet Engelhardt einen kapitalen Nicolas-Fehler zur Führung ausnutzte. Borussia ergab sich fortan ohne jede Gegenwehr in ihr Schicksal. Auch nach dem Seitenwechsel war kein Aufbäumen zu spüren – außer beim Kapitän, der es mit seinem Eifer aber übertrieb und in Minute 52 vom Platz gestellt wurde. Eine in dieser Situation harte Entscheidung, die sich Tim Kleindienst aber in der Gesamtheit mit seinem überaggressiven Auftreten verdient hatte. Diese dumme Dezimierung entschuldigt allerdings nicht das leblose Auftreten der Mannschaft in der Folge, die sich in ihr Schicksal ergab und am Ende auch in der Höhe verdient verlor. Weniger das Ergebnis als das Zustandekommen muss dazu führen, dass Rouven Schröder jetzt doch schon eine Woche früher als es sonst zu erwarten gewesen wäre die Reißleine zieht und den Trainer wechselt. Ein Schritt, der leider einige Monate zu spät kommen wird, was Borussia gut und gerne den Ligaverbleib kosten könnte. Schröder wird sich die Frage gefallen lassen müssen, wieso er einem schon in der Regionalliga nur durchschnittlich abliefernden Trainer nach einer desolaten Debütsaison in der Bundesliga eine weitere Chance zugestanden hat. Zwei starke Heimspiele zum Saisonende durften nicht über das Gesamtbild hinwegtäuschen, das Polanski in der vergangenen Spielzeit abgab. So sehr man ihm den Erfolg menschlich gegönnt hätte, so überfordert ist er leider im Profifußball. Ähnlich fiel vor 15 Jahren das Urteil über Michael Frontzeck aus, dem anschließend mit Lucien Favre ein Glücksgriff folgte, wie ihn Borussia in den kommenden Wochen erneut benötigen wird. Denn bei aller berechtigter Kritik am Trainer: An ihm allein liegt es nicht, wie Borussia aktuell auftritt. Auch ein neuer Trainer wird nicht die strukturellen Schwächen im Kader und die leistungsabweisende Aura im Vereinsinneren ausmerzen können. Ein guter Trainer wird es vielleicht schaffen, den Verein irgendwie oberhalb von Vereinen wie Union Berlin oder dem SC Paderborn zu platzieren und zum Klassenerhalt zu quälen. Um den schleichenden Abstieg auf Raten aufzuhalten, bedarf es aber eines grundsätzlicheren Umdenkens im Verein. Vom Busfahrer bis zum Präsidenten muss ein jeder Mitarbeiter sich bewusst sein, in welch kritischer Lage sich der Verein befindet. Nur wenn jeder von ihnen bereit ist, sein Ego und seinen Narzissmus hintanzustellen und den Verein auf absolute Leistungsorientierung auszurichten, kann mittelfristig eine Trendwende erzielt werden. Rouven Schröder wird hier besonders gefragt sein. In ihn wurden nach der hochgradig unprofessionellen Virkus-Ära große Hoffnungen gesetzt, die er in diesem Sommer bitter enttäuscht hat. Zum einen mit der unverständlichen Trainerentscheidung. Zum anderen mit einer Transferpolitik, die in der aktuellen Situation völlig unzureichend war. Mit Elvedi, Reitz und Engelhardt hat der Verein seine beiden besten Sechser und den besten Innenverteidiger abgegeben und diese nur halbherzig mit dem zuletzt in Amsterdam enttäuschenden und dauerverletzten Itakura sowie mit zwei Wundertüten auf der 6 ersetzt. Ein ordentlicher Zweitligaspieler und ein japanisches Talent waren eine viel zu optimistische Wette auf der wichtigsten Position des modernen Fußballs. Spätestens nach der Verletzung von Jens Castrop hätte hier noch ein Toptransfer umgesetzt werden müssen. Das Geld dafür muss bei knapp 16 Mio. Euro Transferüberschuss verfügbar gewesen sein. Stattdessen entschied sich der Verein für einen strikten Konsolidierungskurs, um das zuletzt stark rückläufige Eigenkapital zu stärken. Eine grundsätzlich vernünftige Denkweise, die aber in der aktuellen Situation verheerende Folgen haben könnte. Nichts ist nämlich teurer als ein Abstieg. Wieder einmal scheint der Verein die Situation unterschätzt zu haben, in die man sich durch den schleichenden Abstieg seit 2021 hineinmanövriert hat. Die vergangene Transferperiode war die vermutlich wichtigste der jüngeren Vereinsgeschichte, um diesen Negativtrend endlich zu stoppen und umzukehren. Stattdessen wurde einmal mehr nur günstige Flickschusterei betrieben. Ein offensiver, attraktiver Spielstil wurde eingefordert, ohne dafür aber das erforderliche Spielermaterial bereitzustellen. Die Folge ist ein Harakiri-System, das die gegenüber dem Vorjahr deutlich schwächere Defensive heillos überfordert und inzwischen selbst den seit zwei Jahren auf höchstem Niveau beständigen Moritz Nicolas verunsichert hat. Borussias neuer Trainer wird vor der Herkulesaufgabe stehen, einer qualitativ stark limitierten Defensivabteilung Stabilität und Kompaktheit vermitteln zu müssen. Dass dies funktionieren kann, zeigen diverse historische Vorbilder: Hans Meyer überraschte die Fußballwelt 2009 mit der Rückkehr zum Libero, wo Tomas Galasek zwischenzeitlich aufblühte. Lucien Favre setzte mit Neustädter und Nordtveit auf eine defensivstarke Doppel-Sechs. Er bewies Mut, indem er dem Talent von Marc-Andre ter Stegen vertraute. Und er trichterte mit seiner Akribie selbst den Offensivspielern eine defensive Denkweise ein. Mit all diesen Manövern verwandelte er einen Trümmerhaufen innerhalb weniger Wochen in eine Festung. Das Problem: Im aktuellen Kader von Borussia fehlen Qualitätsspieler wie Galasek, Dante oder Nordtveit. Ein neuer Trainer wird es daher deutlich schwerer haben als seine berühmten Vorgänger. Spätestens im Winter wird es deutliche Nachbesserungen im Kader geben müssen. Unabhängig davon bleiben unsere Worte aus dem Dezember 2024 leider aktuell, weshalb wir die heutige Analyse mit einem Zitat aus dem damaligen Artikel beenden müssen: Viele Indizien sprechen im Kader und im Verein dafür, dass Borussia wie einst Hamburg, Berlin oder Schalke die Zeichen der Zeit missachtet und fast beseelt vom eigenen Renommee und der vermeintlichen Strahlkraft übersieht, auf welchem Weg sie sich befindet. Das leistungsfeindliche Niveau innerhalb des Vereins, der sich im Inneren selbst am nächsten ist, scheint sich auf die Mannschaft zu übertragen. Aber sollte der Weg doch einmal eine Liga tiefer führen, ist mitnichten gesagt, dass das dann ein Betriebsunfall bleiben wird. Zu groß sind die finanziellen Unterschiede zwischen den Ligen, als dass man davon ausgehen müsste, dass Borussia sich in der zweiten Liga gesundstößt und wieder zu sich findet. Das ist einmal (1999-2001) gelungen, der Aufbau 2007/08 durch Christian Ziege war erfolgreich, aber nicht nachhaltig. So brauchte es später erneut den legendären Hans Meyer und sehr viel Glück, dass der Weg nicht wieder in den Keller führte. Ein erneuter Abstieg hätte unabsehbare Folgen gehabt. Ein Abstieg in den 2020er-Jahren würde fatale Folgen haben.
Bei Borussia Mönchengladbach verliert die Mannschaft und der Trainer steht in der Kritik. Doch ist diesmal sogar alles noch schlimmer?
Borussia Mönchengladbachs Mittelfeld ist durch Verletzungen ausgedünnt und offenbart Qualitätsdefizite. Im Angriff wurde hingegen eine Lücke geschlossen.
Am ersten Spieltag geht es für die Borussia gegen zwei Serien und einen alten Bekannten. Was am Samstag zu erwarten ist.
Daniel Batz stand in seiner Karriere als Torhüter bislang nur selten im ganz hellen Scheinwerferlicht. Dennoch war und ist er für seine Vereine von großem Wert. Sportlich zuverlässig und menschlich bodenständig.
Gladbachs Sportdirektor spricht zum Abschluss des Trainingslagers über mögliche wie erwünschte Abgänge und macht interessante Aussagen zur U23.
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